Das deutsche Handwerk
Sobre o livro
Das deutsche Handwerk Der große Befähigungsnachweis (Meisterbrief) als Kriterium des Marktzutritts "Handwerk hat goldenen Boden" heißt es gemeinhin. In der Tat ist bzw. war es ein Stück Wahrheit aufgrund von Marktzugangsbeschrän-kung und kartellartigem Verhalten im Handwerk. Historisch betrachtet war es im Jahre 1806, als Fürst von Stein-Hardenberg, als erster dem Wirtschaftsbereich Handwerk durch gesetzgeberische Reformen einen Einschnitt in die zünftlerisch organisierten Gewerke brachte. So ergab sich in Deutschland eine rund 100-jährige Phase der Gewerbefreiheit. Die Handwerksorganisationen ließen nichts unversucht, um den kartellartigen Zustand des Marktes wieder herzustellen. Erst im Jahre 1935 wurde der große Befähigungsnachweis (Meisterbrief) als Markt-zugangsberechtigung wieder eingeführt. Es war ein Tribut Adolf Hitlers an die Mit-telschichtwähler, die vielfach aus selbstständigen Handwerkern bestanden. Wie die wirtschaftssoziologische- und sozialgeschichtliche Arbeit aufzeigt, gab es gewisser-maßen eine "Wiedergeburt" der Handwerksverordnung im Jahre 1953, nachdem das amerikanische Votum der Siegermacht nicht mehr bestand. Wichtiger Bestandteil der neuen Handwerksordnung (HWO) in der noch jungen Bundesrepublik war das Fak-tum der Verknüpfung von Meisterbrief mit der Berechtigung zur Lehrlingsausbildung und dem Recht zur selbstständigen unternehmerischen Berufsausübung überhaupt (Marktzutrittsberechtigung). Der neu formierten Handwerksorganisation war es somit nach dem Krieg gelungen, ihre Partikularinteressen, ähnlich wie aus zünftlerischen Zeiten bereits bekannt, als Gesetz durchzusetzen und den Bürgern suggerieren zu können, Qualität könne nur mit einer derartigen restriktiven Regelung wie der HWO in der handwerklichen Tätigkeitsausübung gewährleistet werden. Dass die Realität durchaus anders aussieht und aussah, beweisen neben den Klagen bei den Verbrau-cherzentralen auch die vielen Gerichtsurteile über Pfusch am Bau. Die Arbeit beschreibt insgesamt die Auseinandersetzungen um den großen Befähi-gungsnachweis im Handwerk aus der historischen und aktuellen Sicht. Im Gegensatz zu fast allen anderen europäischen Ländern unterliegt die Herstellung, Montage und Reparatur in der BRD aufgrund der handwerklichen Handlungsweise einer restriktiven Gesetzesgrundlage wie der HWO und wirkt somit im Sinne einer Progression an selbstständigen Handwerkern in vielen Bereichen de facto als Regula-tiv. Da kann auch die novellierte Handwerksordnung vom Januar 2004 mit nunmehr erleichterten Marktzutrittsbedingungen für das deutsche Handwerk nicht darüber hinwegtäuschen. Es werden insbesondere ordnungspolitische Aspekte des in Deutschland geforderten Befähigungsnachweises, dessen Erwerb eine obligatorische Weiterbildung voraus-setzt, beleuchtet. Der Autor beschreibt aus dem Blickwinkel der gewerberechtlichen, berufsständischen sowie wirtschafts- und sozialpolitischen Bedingungen die Ge-schichte und den Wandel des Handwerks mit der Herausbildung der Zünfte und des modernen Handwerks mit seinem Korporativismus und stellt diese einander gegen-über. Hierauf folgt eine Diskussion der Probleme der quasi Kartellierung, der regio-nalen Monopolisierung und insbesondere des Spannungsfeldes zwischen Gewerbe-freiheit (freier Markt) und Marktzugangsregulierung in Bezug auf die Handwerksbe-triebe. Weiterhin wird der Leser über die aktuellen politischen und ökonomischen Rahmen-bedingungen des Handwerks informiert, da erst auf dieser Basis die Tragweite der Diskussion der Forderung nach mehr selbstständigen Gewerbetreibenden verständlich wird. Einen besonderen Stellenwert nimmt bei dieser Untersuchung das Phänomen der Eigentätigkeit (Do-it-yourself), als Form informeller Tätigkeit, und des sozialen Wandels ein. Darüber hinaus findet auch die Abgrenzungspolitik von Industrie und Handwerk Er-läuterung, da sie in der Praxis fortlaufend zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Konsequenzen wie Androhung von Betriebsstillegungen führte. Ähnlich restriktiv wirkt sich die systematische Abgrenzung des handwerksähnlichen Gewerbes gegen-über dem Vollhandwerk aus, die vor dem Hintergrund der Funktion und Problematik des großen Befähigungsnachweises kontrovers diskutiert wird. Um die Betrachtung auf die möglicherweise diskriminierenden Regelungen der Handwerksordnung zu lenken, die zu Verbrauchernachteilen im Zuge der Liberalisie-rung des Europäischen Marktes führen könnten, werden die subjektiven Gewerbezu-gangsvoraussetzungen im Handwerk der verschiedenen westeuropäischen Länder kurz erläutert und verglichen. Die Thematik findet mit einer Beurteilung, inwieweit die voneinander abweichenden nationalen Regelungen in einer freiheitlichen Wirt-schaftsordnung zu Wettbewerbsverzerrungen führen und deutsche Handwerker bei Ihrer Berufsausübung benachteiligen, ihren Abschluss. Offensichtlich erweisen sich einige Bestimmungen der deutschen Handwerksordnung im europäischen Vergleich nach wie vor als wirtschaftshemmende Anachronismen, die weit mehr als nur Markt-segmente "auszubremsen" in der Lage sind. Das Handwerk "europafest" machen, wie es die Bundesregierung mit der Novellierung 2004 nannte, impliziert im Grunde nichts anderes, als das nationale Handwerk im europäischen Vergleich, konkurrenz-fähig zu machen, und die tradierten, verkrusteten Strukturen des Handwerksrechts aufzubrechen. Mit dieser Novellierung war geplant die Konsumentensouveränität stark anzuheben, damit sich der Wettbewerb auf dem handwerklichen Markt durch diese Neuerung erhöhen sollte. Als weiteres Merkmal kann davon ausgegangen wer-den, dass die Beschäftigung ansteigen und damit ein wesentlicher Beitrag zur Ver-ringerung der Arbeitslosigkeit gegeben sein wird. Ferner dürfte durch diesen Effekt eine Steigerung der Einnahmen der öffentlichen Haushalte und der sozialen Siche-rungssysteme erfolgen. Als Nebeneffekt des Wettbewerbs mit günstigeren Preisen für weniger umfangreichere Arbeiten (sog. nicht wesentliche Tätigkeiten, gemäß HWO) dürfte die Quantität der Schwarzarbeit sinken und auf die formelle Ökonomie verla-gert werden. Insgesamt ist damit zu rechnen, dass bei sinkenden Preisen die Nachfra-ge nach offiziellen Handwerksleistungen steigen wird, die bisher aus einem Kosten-kalkül heraus nicht nachgefragt wurden und stattdessen über soziale Netzwerke oder Schwarzarbeit erbracht wurden. Es ist ein Anliegen der Arbeit, diese gesellschaftliche Problematik im europäischen Vergleich insbesondere unter Einbezug der neuerlichen Novellierung (1. Januar 2004) und Osterweiterung auch mittels einer Evaluation bei bundesdeutschen Hand-werksbetrieben näher darzustellen. Eine Forschungsrelevanz ergibt sich aus der Än-derung des Handwerksrechts sowie der EU-Erweiterung und der daraus folgenden Implikationen.
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